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SECRETARIAT GENERAL DDPS
POLITIQUE DE SECURITE ET DE DEFENSE

3003 Bern, 29.05.2001

Vernichtung toxischer Abfälle in Albanien im Rahmen der Partnerschaft für den Frieden "VETOXA"

 Illustrationen (Bilder) zum Projekt

Nach dem Zusammenbruch der staatlichen Strukturen 1997 erachtete die albanische Armeeführung den Besitz verschiedener toxischer Chemikalien als Gefahr für Bevölkerung und Umwelt. Über die NATO Mission in Brüssel gelangte das Unterstützungsbegehren zu deren fachgerechter Entsorgung an das damalige AC-Laboratorium in Spiez (heute LABOR SPIEZ) . Nach über 2 Jahren Vorbereitung konnte die Vernichtung der Chemikalien Mitte Mai dieses Jahres gestartet werden.

Am 24. Mai fand die offizielle Eröffnungsfeier der Vernichtungsanlage mit der Teilnahme des stellvertretenden Generalsekretärs des VBS, Philippe Welti, des Chef des LABOR SPIEZ, Bernhard Brunner, des Schweizer Botschafters in Albanien, Francis Cousin, des Südosteuropa-verantwortlichen der DEZA, Phillip Monteil, der Botschafter Englands und Italiens, Vertretern der NATO, sowie des stellvertretenden Verteidigungsministers von Albanien statt.

Bis zur Eröffnung konnten bereits rund 2 von ca. 20 Tonnen Chemikalien vernichtet werden. Voraussichtlich wird die Kampagne Ende Oktober 2001 abgeschlossen.

Hintergrund:

Ein wesentliches Anliegen der Schweizerischen Beteiligung an der Partnerschaft für den Frieden ist der Beitrag zur Förderung von Frieden, Sicherheit und Stabilität in Europa. Dem Balkan, insbesondere der Stabilisierungshilfe zugunsten von Albanien kommen hierbei in der Projektauswahl hohe Priorität zu.

Projektverlauf

Die NATO, die im Rahmen der Partnerschaft für den Frieden die internationalen Stabilitätsbeiträge zugunsten Albanien koordiniert, hat im Frühjahr 1998 die Schweiz angefragt, bei der Entsorgung toxischer Stoffe in Albanien behilflich zu sein. Detaillierte Abklärungen vor Ort durch das LABOR SPIEZ bestätigten die Dringlichkeit des Anliegens.Bei den Stoffen handelt es sich um rund 20 Tonnen giftiger Flüssigkeiten und Feststoffe. Die Chemikalien wurden ursprünglich zu Ausbildungs- und Trainingszwecken der albanischen Armee beschafft. Sie werden in einer Anzahl Bunker ober- und unterirdisch in teilweise undichten Behältnissen an der Peripherie der Hauptstadt Tirana gelagert - eine akute gesundheitliche Gefährdung der unmittelbar in der Nähe lebenden Einwohner der Hauptstadt war nicht auszuschliessen.

Das LABOR SPIEZ wurde in der Folge beauftragt, zusammen mit einem spezialisierten Schweizer Unternehmen, der Firma MGC Plasma AG, die fraglichen Stoffe fachgerecht und umweltschonend zu entsorgen. Ein entsprechendes bilaterales Abkommen zwischen der Schweiz und der Republik Albanien wurde am 10. November 1999 unterzeichnet.

Nach Vertragsabschluss zwischen der Gruppe Rüstung und der Firma MGC Plasma AG startete im Juli 2000 eine sechsmonatige technische Vorbereitungsphase. Die Zusammensetzung der zu vernichtenden Chemikalien erforderte zahlreiche Anpassungsarbeiten an der Verbrennungsanlage. Gegen Ende 2000 wurde die Anlage in der Schweiz unter Beschickung von Simulationsstoffen getestet und in Tirana wurden die vorbereitenden Infrastrukturbauten und -anpassungen sowie die Instandstellung der Zufahrtsstrasse zum Standort des ABC Abwehrregimentes der albanischen Armee realisiert.

Im März und April wurde die Anlage, sowie benötigte Prozesschemikalien, in insgesamt 21 Containern auf dem Land- und Seeweg über Slowenien nach Tirana transportiert und anschliessend in einer rund 400m2 grossen Zelthalle aufgebaut. Anfang Mai erfolgten dann erste Testläufe und Justierungen der Anlage und Abläufe und schliesslich die Inbetriebnahme Mitte Mai .

Am 24.05.2001, anlässlich eines kleinen Festaktes zur offiziellen Einweihung der Anlage konnten bereits zwei der zwanzig Tonnen toxischer Abfälle nach nur 10 Betriebstagen als erfolgreich vernichtet gemeldet werden. Es wird damit gerechnet, dass die Kampagne bis spätestens Ende Oktober dieses Jahres abgeschlossen werden kann.

Die Kosten des Projektes betragen 2,9 Millionen CHF und werden zu gleichen Teilen durch das VBS (GST) und das EDA (DEZA) getragen. Als Co-Sponsoren des Projektes sind Italien (150 t Dieselöl) und England (100 t Dieselöl) und als Koordinationsorgan die NATO PfP Cell Tirana beteiligt.

Technischer Ablauf der Vernichtung

Verwendete Technologie: Für Feststoffe wird ein Plasmabrenner mit Temperaturen von lokal bis zu 15'000 °C verwendet. Die flüssigen Chemikalien werden wie die Abgase des Plasmabrenners direkt in eine konventionell beheizte Nachbrennkammer eingespritzt und thermisch zerstört.

Die Verbrennungsgase werden in einem Rauchgaswäscher von schädlichen Stoffen befreit. Das Abwasser wird nach Schweizer Standard aufbereitet und anschliessend abgeleitet. Die ungefährlichen, festen Reststoffe, Glasschlacke und Filterkuchen, sowie geleerte Gebinde werden unter Aufsicht der ABC Abwehrregiments der albanischen Armee endgelagert.

Nachhaltigkeit des Unterstützungsprogrammes

Albanien ist für die Schweiz im Rahmen der Partnerschaft für den Frieden ein Schwerpunktland. Dem Projekt kommt erhebliche aussenpolitische Bedeutung zu. Das VBS hat unmittelbar nach Ausbruch der Krise 1997 aktiv am Wiederaufbau der albanischen Streitkräfte mitgeholfen. Es unterstützte diese im Bereich der Truppen- und Materialtransporte und bei der Instandstellung permanenter und transparenter Informations- und Kommunikationszentren.

Im Sinne einer nachhaltigen Unterstützung betreut das LABOR SPIEZ im Rahmen einer Patenschaft begleitende Aktivitäten zu diesem Projekt. Konkret heisst das, dass Spezialisten des LABOR SPIEZ vorbereitend zur Vernichtungskampagne die Ausrüstung des zentralen Chemielabors der albanischen Armee erneuert hat, und das Personal an den modernen Analysegeräten intensiv geschult hat. Mehreren Mitarbeitern des albanischen zentralen Armee-Labors wurde ermöglicht, an Ausbildungskursen für Laborspezialisten der Schweizer Armee teilzunehmen.

Vor Ort wurde eine einfache Grundwasserfassung erstellt, die nach Abschluss des Entsorgungsprojektes der ansässigen Armeeeinheit zur Verfügung stehen soll.