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Bundesamt für Bevölkerungsschutz, LABOR SPIEZ

Archiv 2009

LABOR SPIEZ verschickt Proben in die ganze Welt


OPCW ProbenDie Organisation für das Verbot Chemischer Waffen (OPCW), welche für die Einhaltung der Chemiewaffenkonvention verantwortlich ist, verfügt über ein weltweites Netzwerk von zertifizierten analytischen Laboratorien. Zur Überprüfung dieser Einrichtungen führt die OPCW jährliche Ringversuche durch. Dafür werden Proben, die chemische Kampfstoffe und verwandte Verbindungen enthalten, an die Laboratorien gesandt. Diese machen umfangreiche Analysen und müssen ihre Resultate nach maximal 15 Tagen einreichen. Für den 25. Ringversuch der OPCW hat das LABOR SPIEZ die Proben hergestellt. Diese wurden am 24. April von der OPCW entgegengenommen und vom Flughafen Amsterdam aus an 15 Laboratorien weltweit verteilt.

Die Chemiewaffenkonvention ist der bislang einzige multilaterale Abrüstungsvertrag, der die Mitgliedstaaten verpflichtet, innerhalb eines bestimmten Zeitraumes eine ganze Klasse von Massenvernichtungswaffen zu zerstören. Zudem ist es ein beinahe universelles Vertragswerk: Als 188. Staat haben am 23. April die Bahamas die Konvention ratifiziert. Es fehlen noch sieben Länder: Israel, Myanmar, Angola, Ägypten, Syrien, Nordkorea und Somalia.

Für die Überprüfung der Einhaltung der Konvention existiert ein Kontrollregime mit weit reichenden Vollmachten: Unabhängige Inspektoren der OPCW können weltweit Militäranlagen, Industriebetriebe und Laboratorien inspizieren. Unterstützt wird die Organisation von den so genannten Vertrauenslaboratorien, die mit den Ringversuchen regelmässig überprüft werden. Das LABOR SPIEZ gehört zu den wenigen Institutionen weltweit, die bisher alle Ringversuche erfolgreich absolvieren konnten.


Ausbildung von OPCW-Inspektoren


Vom 23. bis 28. März 2009 besucht eine internationale, 16-köpfige Delegation der Organisation für das Verbot Chemischer Waffen (OPCW) das LABOR SPIEZ, um eine Trainings-Inspektion (Mock Inspection) in den Liste 1-Anlagen in Spiez durchzuführen.

Mock Inspection
Mock Inspection 2009
Das LABOR SPIEZ stellt für dieses Training angehender OPCW-Inspektoren während einer Woche nicht nur seine Logistik und Infrastruktur zur Verfügung, sondern bietet auch alle betroffenen Personen auf, welche mit Liste 1-Chemikalien umgehen. Mit jährlich zwei durchgeführten Trainings-Inspektionen leistet das LABOR SPIEZ eine wichtige Unterstützung an die OPCW, damit diese auch zukünftig ihre Aufgabe kompetent erfüllen kann: Aufgrund des Chemiewaffenübereinkommens (CWÜ) von 1997 müssen nämlich nicht nur alle bestehenden Chemiewaffen vernichtet werden - zusätzlich sind auch alle Chemikalien, die der Chemiewaffenproduktion dienen könnten („Dual-Use-Chemikalien“), einer Kontrolle unterstellt. Zudem müssen alle Industrieanlagen gemeldet werden, welche andere organische Chemikalien in Mengen über einem bestimmten Schwellenwert produzieren. Die Einhaltung dieser Bestimmungen zu kontrollieren, ist die zentrale Aufgabe der OPCW, und deren Inspektoren müssen entsprechend ausgebildet werden.

Die der Kontrolle unterstellten Chemikalien werden vom CWÜ in drei Listen zusammengefasst: Liste 1, Liste 2 und Liste 3 Chemikalien. Kontrolliert werden auch Mischungen, die Chemikalien dieser Listen enthalten und Produktionen, bei denen kontrollierte Substanzen nur als Zwischen- oder Nebenprodukte auftreten. Die Liste 1 umfasst hochgiftige, organische Substanzen (Kampfstoffe) und deren direkte Vorstufen. Ihre Herstellung ist nur in kleinen Mengen und nur für Forschungszwecke zulässig. Aus diesem Grund ist jeglicher Umgang mit diesen Substanzen bewilligungspflichtig.

Finanziert wird diese Mock-Inspection von der Direktion für Sicherheitspolitik des VBS. Das auszubildende Inspektionsteam der OPCW wird von Vertretern der Bundesbehörden begleitet, die dafür sorgen, dass die Inspektion zügig abläuft und die Interessen vom LABOR SPIEZ gewahrt bleiben.


Abdecken von flüssigen Gefahrengutquellen mit Schaum


Bei einem Ereignis mit Gefahrstoffen ist es gut möglich, dass die Feuerwehr als erste am Schadenplatz auf eine flüssige Gefahrgutquelle stösst, welche schädliche Dämpfe verbreitet. Mit Schaum der Ersteinsatzkräfte könnte eine solche Quelle innert Sekunden abgedeckt und die Dampfausbreitung unterbunden werden. Derart gesichert, könnte eine Gefahrgutquelle belassen werden bis zur Neutralisierung durch ein Entgiftungsteam.

Welche Schäume eignen sich für einen solchen Einsatz und wie lange würden die Schäume eine Quelle wirksam abdecken? Die Gruppe Nachweis und Entgiftung des Fachbereichs Chemie hat an einem Querschnitt durch Schweizer Löschschäume Versuche durchgeführt, um diese Fragen zu beantworten. Als Vergleich wurde der für die Armee beschaffte Entgiftungsschaum CASCAD gemessen

Als Gefahrstoffe wurden die chemischen Kampfstoffe Sarin (GB), Soman (GD) und Yperit (HD) gemessen. Als Simulationsmittel dienten Methylsalicylat und DMMP.

Messungen mit Schäumen sind nicht gerade einfach. Trotzdem ist es gelungen, Schäume zu finden, welche mehr oder weniger geeignet sind, solche Quellen abzudecken: Der Entgiftungsschaum CASCAD scheint am besten geeignet, eine Quelle abzudecken, weil der Schaum am längsten stehen bleibt und Aktivchlor enthält, der Gefahrstoffe zerstören kann. Von den "zivilen" Löschschäumen halten Jomos, Rehealing und FC 602 am längsten. Die restlichen Schäume (Arctic, LS TS, MXOL, LW TN und Moussol) ergaben Durchbruchszeiten von weniger als 40min.

Ein ausführlicher Bericht zum Thema (auf Englisch) kann beim LABOR SPIEZ angefordert werden.


Europäischer Ringversuch Mikrobiologie


Das deutsche Robert Koch Institut hat ein Projekt zur Etablierung eines europäischen Netzwerks von qualifizierten mikrobiologischen Laboratorien im Bereich Bioterrorismus gestartet. Das Projekt unter dem Titel EQADeBA – „Establishment of Quality Assurances for Detection of Highly Pathogenic Bacteria of Potential Bioterrorism Risk”- ist im Mai letzten Jahres lanciert worden und dauert drei Jahre. Ziel ist der Aufbau eines Qualitätssicherungsprogramms für die Detektion von Bakterien mit bioterroristischem Potential. Prinzipiell sind dies Mikroorganismen, welche hochansteckend sind und eine hohe Letalitätsrate aufweisen. Für den Fall einer bioterroristischen Angriffs soll das europäische Labornetzwerk die Frühwarnkapazität erhöhen sowie die Reaktionszeit der beteiligten Institute verkürzen helfen. 24 Laboratorien aus 22 Ländern arbeiten in diesem Netzwerk zusammen, darunter auch das LABOR SPIEZ.

Ankunft der Proben im LABOR SPIEZDerzeit läuft der zweite von drei Ringversuchen zur Abklärung der analytischen Kapazitäten der beteiligten Laboratorien, unter Berücksichtigung aller Aspekte der Biosafety und Biosecurity. Dabei müssen 15 infektiöse und 15 inaktivierte Proben von unterschiedlicher Komplexität auf Anthrax, Pest, Tularämie, Meliodiose, Rotz und Brucellose untersucht werden – dies sowohl mit kulturellen Methoden (nur die infektiösen Proben) als auch mit molekularen, immunologischen und massenspektrometrischen Verfahren. Alle Proben können Begleitflora enthalten, was die Analyse anspruchsvoll und arbeitsintensiv macht.


H1N1-Diagnostik im LABOR SPIEZ


Das LABOR SPIEZ hat eine schnelle Nachweiskette für die Diagnostik des Pandemievirus H1N1 aufgebaut und untersucht seit dem 17. Juli 2009 Verdachtsproben von Armeeangehörigen im Auftrag des VBS. Bisher wurden 721 Proben getestet, davon waren 167 positiv.


Baufortschritt Sicherheitslabor


Der Innenausbau des biologischen Sicherheitslabors der höchsten Sicherheitsstufe 4 kommt gut voran. Dieses bezüglich der sicherheitstechnischen Anforderungen äusserst komplexe und in der Schweiz bisher einzigartige Bauvorhaben liegt im Budget- und Zeitplan und kann aller Voraussicht nach termingerecht abgeschlossen werden. Das Gebäude wird in Spiez am 25. Juni 2010 mit einer „Schlüsselübergabe“ eingeweiht. Nach einer längeren Validierungsphase soll der Laborbetrieb Ende 2010/Anfang 2011 aufgenommen werden.


Besuch von Bundesrat Maurer in Spiez


Bundesrat Maurer im Labor der LernendenBundesrat Ueli Maurer hat am 17. August das LABOR SPIEZ besucht. Knapp dreieinhalb Sunden lang liess sich der Vorsteher des VBS in unsere Arbeit einführen und absolvierte ein - selbst für interessierte Besucher - recht intensives Besuchsprogramm in acht verschiedenen Laboratorien. Am Ende seiner Visite äusserte sich der Chef VBS vor der Belegschaft sehr lobend über unsere Einrichtung. Ihm sei bereits früher zu Ohren gekommen, dass es sich bei den "Spiezern" um eine selbstbewusste Gemeinschaft handle, die sehr Stolz sei auf ihre Leistungen. Diesen Ruf hätten wir an diesem heissen August-Nachmittag voll und ganz bestätigen können, meinte der Bundesrat und mahnte gleichzeitig, dass dies kein Grund sei, sich zurückzulehnen. Mit den Neuinvestitionen wie etwa dem Sicherheitslabor würden auch neue Aufgaben auf uns zukommen.


Inspektion des LABOR SPIEZ im Rahmen des Chemiewaffenübereinkommens (CWÜ)


Ein internationales Spezialistenteam der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) hat letzte Woche eine Inspektion des LABOR SPIEZ vorgenommen. Ziel war die Überprüfung der jährlichen Deklarationen, welche das LABOR SPIEZ gemäss dem Chemiewaffenübereinkommen zu machen hat, sowie die Bestätigung, dass keine unerlaubten Tätigkeiten und Lieferungen stattfanden. Wir haben die Inspektion erfolgreich bestanden.
Das CWÜ verbietet die Entwicklung, die Produktion, den Erwerb, die Lagerung, die Verbreitung und den Einsatz von chemischen Waffen. Die Vertragsstaaten verpflichten sich, ihre Bestände an chemischen Waffen und entsprechende Produktionseinrichtungen bis spätestens 2012 zu vernichten. Für Schutz- und Forschungszwecke sind die Herstellung und der Besitz von Kleinstmengen der verbotenen Chemikalien erlaubt. In der Schweiz ist das LABOR SPIEZ die einzige Institution, die dazu berechtigt ist. Das CWÜ, das am 29. April 1997 in Kraft getreten ist, hat heute 188 Mitgliedstaaten. Die Schweiz hat das Abkommen am 10. März 1995 ratifiziert.


Diagnostik des Pandemievirus im LABOR SPIEZ


Probe VirologieIn Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Partnern hat sich das LABOR SPIEZ mit der Entwicklung und Etablierung von Methoden für den Nachweis von Influenza A Viren befasst. Diese Methoden stehen nun zur Verfügung und es wurde eine schnelle und effiziente Nachweiskette aufgebaut. Die Diagnostik des Pandemievirus H1N1 beruht auf einem molekularbiologischen Nachweis spezifischer Gensequenzen mittels Real Time RT-PCR. Mit diesen Methoden ist das LABOR SPIEZ in der Lage, alle Influenza A Viren (also auch das Pandemievirus H1N1) zu diagnostizieren und zusätzlich zu differenzieren.

Dabei kommen drei verschiedene Strategien zum Einsatz:

Mit Hilfe dieser Analysen kann in einem Ansatz ausgesagt werden, ob es sich um tierische oder humane Influenza A Viren handelt und ob eine Infektion mit der saisonalen Grippe oder das Pandemievirus H1N1 vorliegt. Das Pandiemievirus H1N1 ist zwar porcinen Ursprungs, jedoch genetisch von porcinen und rein humanen Influenza A Viren (auch saisonale Grippe) unterscheidbar. Zusätzlich erlauben vertiefte Analysen die Unterscheidung von den beiden Influenza-typischen Oberflächenproteinen "H" (Hämagglutinin) und "N" (Neuraminidase).

Interner Link  Arbeitsgruppe Virologie


The Green Star Awards


The Green StarDas Uno-Umweltprogramm UNEP, das UN-Büro für die Koordination Humanitärer Angelegenheiten OCHA sowie Green Cross International haben am 7. Mai in Brüssel erstmals gemeinsam den "Green Star Award" verliehen. Diese neue Auszeichnung geht an Individuen, Organisationen und Regierungen, die sich um die Vermeidung oder Bewältigung von Umweltkatastrophen verdient gemacht haben.

Zu den Gewinnern des Preises gehören das LABOR SPIEZ, das brasilianische Center for Scientific Support in Disaster Situations (CENACID), die Regierungen Schwedens und der Niederlande sowie der britische Umweltexperte Mike Cowing.

Interner Link  Bildergalerie .