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Bundesamt für Bevölkerungsschutz, LABOR SPIEZ

Glove-Box als Sicherheitslabor im Mini-Format

Klassische bakterielle Kampfstoffe wie die Erreger von Anthrax, Pest und Tularämie sind gemäss der Einschliessungsverordung (ESV) in die Risikogruppe 3 eingeteilt und erfordern deshalb eine entsprechende Laborsicherheitsstufe 3. Bis 2003 fehlten derartige Laboreinrichtungen im LABOR SPIEZ.

Die Situation konnte erheblich verbessert werden, indem als Übergangslösung bis zur Inbetriebnahme des Sicherheitslabors VBS eine komplexe mikrobiologische Sicherheitswerkbank angeschafft wurde. Diese entspricht den Anforderungen der Sicherheitsstufe 3 und wird unter anderem zur Analyse von Umweltproben mit Verdacht auf Anthrax eingesetzt. Die Firma SKAN fertigte die Anlage nach den vom LABOR SPIEZ definierten Bedürfnissen.
Arbeiten an der Glove-Box

Die Anlage besteht aus vier miteinander verbundenen Segmenten:

Eine mikrobiologische Sicherheitswerkbank der Klasse II dient der Vorbereitung zum sicheren Ein- und Ausschleusen in die direkt anschliessende Schleusenkammer. Dies wird durch den Handschuh an der Schleusenöffnung erleichtert. Die Schleuse verfügt auch über einen Tauchtank, der mit Desinfektionsmittel gefüllt ist und der oberflächlichen Dekontamination von biologischen Kontainern während dem Ausschleusevorgang dient. An die Schleuse schliesst eine mikrobiologische Sicherheitswerkbank der Klasse III mit 4 Handschuheingriffen an. Sie wird oft auch als Glove-Box ("Handschuh-Kiste") oder in der Steriltechnik als Isolator bezeichnet. Direkt daran angedockt ist ein Brutschrank. Er kann von aussen nicht geöffnet werden sondern wird über den letzten Handschuh der Glove-Box bedient und gehört so zum "containment". Die Anlage erfüllt die spezifischen Anforderungen an die Laborsicherheitsstufe 3 wie Unterdruck und HEPA-Filtrierung.
Glove-BoxGlove-Box
Wichtigstes Merkmal ist das absolut dicht geschlossene System, das nur über die eingebauten Handschuhe bedient werden kann und so einen ausgezeichneten Schutz für die Beschäftigten und die Umwelt gewährleistet.

Die Anlage verfügt über ein integriertes Dekontaminationssystem, das auf der Verdampfung von Wasserstoffperoxid basiert. Damit kann die Glove-Box, die Schleusenkammer sowie der Lüftungsüberbau mit den HEPA-Filtern periodisch dekontaminiert werden.

Glove-BoxGlove-Box

Nach der Dekontamination kann die Frontscheibe der Glove-Box geöffnet werden, um grössere Gerätschaften zu transferieren. Bei Benutzung der Schleuse gewährleistet das Unterdrucksystem der Anlage einen gerichteten Luftstrom von der Sicherheitswerkbank der Klasse II in Richtung Schleusenkammer zur Glove-Box. Die Schleusentüren sind absolut dicht und mit Sensoren ausgerüstet, so dass Fehlmanipulationen unverzüglich einen Alarm auslösen.

2003 hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) dem LABOR SPIEZ die erforderliche Bewilligung für die Tätigkeit mit Risikogruppe 3 Bakterien erteilt. Damit können nun sukzessive Nachweisverfahren für Anthrax, Pest und Tularämie eingeführt werden. Die Anlage wurde im Hochtox-Gebäude des LABOR SPIEZ installiert, was die Umsetzung des Biosicherheiskonzepts erleichtert. Zurzeit werden alle Arbeitsabläufe detailliert in Vorschriften geregelt und verschiedene Validierungsarbeiten durchgeführt.

Das LABOR SPIEZ ist damit künftig bereit, im Fall eines Bioterrorismus-Verdachtes die kantonalen Laboratorien als zuverlässigen und kompetenten Partner zu unterstützen.