Nachweis und Entgiftung
Die Ziele dieser Gruppe sind Erarbeitung, Erhaltung und Erweiterung von Fachkompetenz auf den Gebieten Nachweis und Entgiftung chemischer Kampfstoffe zum Schutz von Lebewesen und Material vor den Auswirkungen von Chemiewaffen. Dazu setzen wir praktische Messungen mit Kampfstoffen und Simulationsmitteln, Literaturstudien und auch theoretische Arbeiten ein. Um unsere Ressourcen optimal zu verwenden, pflegen wir gute Zusammenarbeit mit Partnerlabors in Deutschland, Finnland, Schweden, der Tschechischen Republik und den USA.
Nachweis
Der rechtzeitige Nachweis von Chemiewaffen ermöglicht es, Vergiftungen zu vermeiden. Chemische Kampfstoffe können mit Hilfe von Geräten mit enzymatischen, chemischen oder physikalischen Messmethoden nachgewiesen werden. Übersichtsartikel zu den verschiedenen Nachweismethoden finden Sie in den Referenzen (1) und (2).
Ein wichtiger Aspekt dieses Gebietes ist die Charakterisierung solcher C-Nachweisgeräte bezüglich Empfindlichkeit auf chemische Kampfstoffe bei verschiedenen Messbedingungen. Zu diesem Zwecke bauten wir drei Messapparaturen auf (Bild), welche genaue Konzentrationen der Kampfstoffe Tabun, Sarin, Soman, VX, Yperit und Lewisit bei verschiedenen Luftfeuchtigkeiten erzeugen können. Eigenschaften und Validierung der Apparaturen sind in Referenzen (3, 4, 5) beschrieben. Von ähnlicher Bedeutung ist auch die Erfassung der Empfindlichkeit der Geräte auf Störstoffe, welche die Nachweise beeinflussen und welche mit denselben Apparaturen oder in natürlichen Umgebungen gemessen werden können.
Zusätzlich wurde eine vierte Anlage gebaut für toxische Industriechemikalien, welche im Zusammenhang mit Unfällen und Terrorakten an Bedeutung gewinnen. Auf den vier Anlagen wurden Instrumente für den C-Nachweis und die C-Analyse evaluiert, welche nun in ein zu beschaffendes ABC-Aufklärungsfahrzeug eingebaut werden (6). Gerne prüfen wir auch Nachweisgeräte externer Benutzer.
Zusätzlich zu diesen praktischen Arbeiten verfolgen wir die Fachliteratur auf dem ganzen Gebiet des instrumentellen C-Nachweises einschliesslich der chemischen Sensoren (7) und der C-Fernerkundung (Remote Sensing, 8). Bezüglich Fernerkundung konnten wir im Rahmen der Euro 08 ein von der Berufsfeuerwehr Mannheim (D) ausgeliehenes passives FTIR-System (SIGIS II) sowohl mit Labormessungen als auch im praktischen Einsatz charakterisieren (9).

- Teilansicht Messapparatur
Entgiftung
Entgiftung bedeutet die Zerstörung chemischer Kampfstoffe mit dem Ziel, die Vergiftung von Lebewesen und Material sowie die Verschleppung chemischer Kampfstoffe zu verhindern.
Zur Entgiftung kleiner Objekte wie z.B. Waffen und Fahrzeuge wurde früher die Entgiftungslösung 85 (DS-2) eingesetzt. Diese ist wohl sehr wirksam gegen alle bekannten Kampfstoffe, aber indessen äusserst korrosiv und löst z.B. Farbanstriche oder zerstört empfindliche Geräte. Im Rahmen der ABC-Abwehr XXI sind Entgiftungssysteme für kleine und grosse Objekte beschafft worden, welche auf wesentlich weniger aggressiven Chemikalien basieren. Evaluiert wurden dazu Entgiftungslösungen, -emulsionen und -schäume (10); als bestes Dekontaminationsmittel wird der CASCAD-Schaum beschafft (Bild). In einer umfangreichen Messreihe untersuchten wir zudem, wie gut flüssige chemische Kampfstoffe mit Schäumen (Löschschaum, CASCAD) gasdicht abgedeckt werden können. Am besten eignet sich CASCAD, aber auch konventionelle Löschschäume erzielen gute Wirkungen (11).

- Entgiftung eines Panzers mit CASCAD-Schaum
Zu Ausbildungszwecken wurden zwei ungiftige Simulationsmittel für chemische Kampfstoffe (12, 13) entwickelt, welche realistische Entgiftungsübungen erlauben, bei denen der Erfolg mit dem C-Nachweisgerät 97 direkt gemessen werden kann.
Auch auf diesem Gebiet verfolgen wir die Fachliteratur und führen eine gut unterhaltene Dokumentation.
Literatur
(1) W. Aue: Detecting and monitoring chemical warfare agents and other toxic chemicals: A Review (LS 2002-02)
(2) W. Aue, F. Guidetti: Recent developments in chemical detection (LS 2006-02)
(3) W. Aue, F. Guidetti: Validation of the chemical agent vapor generator KAA 01 (LS 2001-23)
(4) W. Aue, F. Guidetti: Validierung der Kampfstoffanreicherungsapparatur KAA 03 für GA, GB und L1 (LN AA 2009-09)
(5) W. Aue, F. Guidetti: Installation and Validation of the VX vapor generator KAA 06 (LN AA 2009-01)
(6) W. Aue: Beurteilung von C-Nachweis- und Analyseninstrumenten zum Einbau in das ABC Aufklärungsfahrzeug, Stand 31.3.2007 (LN AA 2007-01)
(7) R. Zenobi: Chemische Sensoren zur raschen Detektion von chemischen Kampfstoffen (ACLS 9722)
(8) R. Zenobi: Remote Sensing von chemischen Kampfstoffen (ACLS 9526)
(9) W. Aue: Scanning Infrared Gas Imaging System SIGIS II: Short validation of Detection Limits (LS 2008-07)
(10) W. Aue, F. Guidetti: Live agent decontamination field trials with HD, THD, VX, GD and TGD: Comparison of three decontamination chemicals on seven materials (LS 2003-14)
(11) W. Aue, F. Guidetti: Covering sources of toxic vapors with foam (LS 2009-06)
(12) W. Aue, P. Trachsler: Verhalten und Entgiftung des Hautgiftsimulationsmittels HSim auf verschiedenen Materialien (ACLS 2000-13)
(13) W. Aue, F. Guidetti, B. Menzi: Das Nervengiftsimulationsmittel GSim (LN AA 2009-05)
![]() Leitung: Dr. Walter Aue |
![]() Fausto Guidetti |

