Organische Chemie
Hochtox-Labor und hochtoxische Verbindungen
Das Hochtox-Labor wurde speziell für die Synthese und den Umgang mit hochtoxischen Verbindungen konzipiert. Tatsächlich ist es der einzige Ort in der Schweiz, wo chemische Kampfstoffe in kleinen Mengen hergestellt und untersucht werden ( > Referenzchemikalien ). Seit der Inbetriebnahme 1981 wurden fortwährend die neuesten Sicherheitsstandards integriert; so dient es auch als Beispiel für die Planung vergleichbarer zukünftiger Einrichtungen in Europa.
Unabhängig voneinander können in vier
Laboreinheiten Tätigkeiten
mit Giftstoffen unter komplettem Einschluss derselben ausgeübt werden.
Jede dieser Einheiten besteht aus dem Hauptlabor, einem Vorbereitungs- und
einem Überwachungsraum sowie einer mit Duschen ausgestatteten Schleuse
für die Dekontaminierung im Fall eines unvorhergesehenen Ereignisses.
Ein spezielles Lüftungssystem sichert die Druckstaffelung zwischen den
einzelnen Räumen. Sämtliche Abluft wird durch Aerosol- und Aktivkohlefilter
gereinigt. Ein ausreichend dimensionierter Notfalltank nimmt bei einem Ereignis
automatisch das möglicherweise kontaminierte Abwasser auf. Einrichtungen
für die nachfolgende Dekontamination solcher Abwässer sind bereits
vorhanden. Lösungsmittel- und Feststoffabfälle werden erst nach
einer Entgiftungsbehandlung und anschliessender analytischer Kontrolle fachgerecht
entsorgt.
Gemäss einer Philosophie "des doppelten Einschlusses" werden
Synthesen und Operationen, bei welchen das Entweichen von chemischen Stoffen
nie vollständig ausgeschlossen werden kann, in einer speziell konstruierten
Handschuhbox (Glove-Box) ausgeführt. Vom anfänglichen Mischen der
Ausgangsstoffe bis zur abschliessenden Reinigung der gebildeten Giftstoffe
werden alle Einzelprozesse in einer sicheren Umgebung teilautomatisiert ausgeführt.
Parameter wie Temperatur und Druck werden über ein Prozessleitsystem
aus dem Überwachungsraum angesteuert, geregelt und kontrolliert. Zur
weiteren Erhöhung des Sicherheitsstandards wird die Zweipersonen-Regel
befolgt: Während die eine Person unter Vollschutzmassnahmen (Schutzanzug
und -maske) im Labor Manipulationen ausübt, wird sie durch die zweite
Person aus dem Überwachungsraum unterstützt und kontrolliert.
Hoch
qualifiziertes und gut trainiertes Personal, rigorose Arbeitsvorschriften und
standardisierte Arbeitsabläufe, modernes Schutzmaterial, regelmässige
medizinische Kontrolle des Personals und ein Pikett für den unverzüglichen
Rettungseinsatz sind weitere Sicherheitselemente. Zusammen mit der Infrastruktur
des Hochtox-Labors ist dadurch die umfassende Sicherheit von Personal und
Umwelt gewährleistet.
Selbstverständlich richtet sich unsere Tätigkeit strikt nach der Umweltgesetzgebung sowie dem Arbeits- und dem Giftgesetz. Interne Massnahmen gehen oft über diese Vorgaben hinaus. Auf internationaler Ebene müssen gemäss dem Chemiewaffen-Übereinkommen (CWÜ) selbst die geringsten Mengen von Verbindungen der Liste 1, welche hergestellt oder in irgendeiner Form angewendet oder verbraucht werden, bei der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) deklariert werden. Jährliche Kontrollen des als "Liste 1 Einrichtung zu Schutzzwecken" deklarierten Hochtox-Labors durch ein OPCW-Inspektorenteam stellen sicher, dass darin keine missbräuchlichen Aktivitäten ausgeübt werden (>Verpflichtungen).