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Bundesamt für Bevölkerungsschutz, LABOR SPIEZ

Projekt SICHERHEITSLABOR VBS (SiLab)

Ausgangslage

Fachleute sind sich darüber einig, dass der Schutz vor biologischen Gefahren und Bedrohungen sowohl national als auch international verbessert werden muss. Dies haben auch die jüngsten Epidemien, ausgelöst durch SARS und das Vogelgrippe-Virus, deutlich aufgezeigt. Zudem muss trotz Biologiewaffenkonvention davon ausgegangen werden, dass bestimmte Länder weiterhin militärische B-Waffenprogramme betreiben. Auch ein Terroranschlag mit biologischen Waffen kann nicht ausgeschlossen werden. Dies gilt besonders vor dem Hintergrund der in den vergangenen Jahren beobachteten enormen Fortschritte in der Biotechnologie und den in diesem Bereich zu erwartenden künftigen Entwicklungen.

Eines der wichtigsten Elemente des B-Schutzes ist die Fähigkeit zum Nachweis von Krankheitserregern, die entweder bewusst eingesetzt oder natürlich auftretend zu einem B-Ereignis (Epidemie, Bioterror) führen können. Erst wenn der entsprechende Erreger identifiziert und charakterisiert werden kann, ist eine effektive und effiziente Ereignisbewältigung inklusive einer zielgerichteten medizinischen Behandlung möglich. Für die wirkungsvolle Bekämpfung eines Krankheitsausbruches ist eine rasch verfügbare Labordiagnostik unabdingbar.

Im zivilen Bereich besteht ein unbestrittener Bedarf nach einem Labor für hoch pathogene Erreger. In einem solchen Labor sollen einerseits Nachweismethoden entwickelt und zielgerichtete Forschungsprojekte durchgeführt werden im Sinne der Vorbereitung auf mögliche Epidemien. Andererseits soll für den Ereignisfall eine rasche Bestätigungsdiagnostik von Verdachtsproben etabliert werden.

Im militärischen Bereich haben die B-Fachspezialisten der Armee (Biologischer Dienst der Armee, heute integriert in das ABC-Abwehrlabor der Armee) den Auftrag, B-Kampfstoffe frühzeitig zu erkennen und nachweisen zu können. Die heute zur Verfügung stehende Laborinfrastruktur lässt dies jedoch nur sehr beschränkt zu. Hochansteckende Viren, die als potentielle B-Kampfstoffe eine grosse Relevanz haben, können nicht untersucht werden.

Für Arbeiten mit Krankheitserregern der Risikogruppe 4 wie beispielsweise Ebola oder Marburg, insbesondere für deren gesicherten Nachweis, ist aufgrund internationaler Richtlinien und der nationalen Gesetzgebung zwingend ein Labor der Sicherheitsstufe 4 (höchste biologische Sicherheitsstufe) erforderlich. In der Schweiz gibt es aber weder im zivilen noch im militärischen Bereich ein solches Labor.

Heute ist die Schweiz beim Auftreten von bestimmten Epidemien bzw. im Falle eines Verdachts auf Freisetzung von Krankheitserregern der Risikogruppe 4 auf Labors im Ausland angewiesen. Der dadurch bedingte Zeitverlust kann die Ausbreitung einer Epidemie begünstigen. Im Falle eines grösseren, grenzüberschreitenden Ereignisses ist die Verfügbarkeit von ausländischen Laborkapazitäten zudem sehr fraglich.

Aufgrund der Bedrohungseinschätzung und im Wissen über die fehlenden Laborkapazitäten ist bereits 1996 von der militärischen respektive sicherheitspolitischen Seite der Bedarf nach Labors der Sicherheitsstufen 3 und 4 für die Diagnostik der gefährlichsten potentiellen B-Kampfstoffe wie z.B. Ebola, Marburg oder auch Anthrax formuliert worden. In der erweiterten Konzeptionsstudie der UG San (heute San LBA) vom 22.10.2001 ist dieser Bedarf im Detail ausgewiesen.

Der Befund dieser Konzeptionsstudie wurde eindrücklich unterstrichen von den unmittelbaren Erfahrungen im Zusammenhang mit den Anthrax-Attacken in den USA bzw. den Anthrax-Verdachtsfällen in der Schweiz seit dem Jahr 2001. Es wurde offenkundig, dass nicht nur im militärischen, sondern auch im zivilen Bereich in der Schweiz Laborinfrastruktur für den raschen Nachweis von speziellen Krankheitserregern, vor allem für jene der Risikogruppen 3 und 4, benötigt wird. Mit dem vorliegenden Projekt wird diesen Anforderungen Rechnung getragen und die erkannte, gravierende Lücke im schweizerischen B-Schutz geschlossen werden.

Das Sicherheitslabor VBS ermöglicht die sichere und rasche Diagnose von potentiellen B-Kampfstoffen respektive von speziellen Krankheitserregern und steht sowohl dem militärischen als auch dem zivilen Bereich bei der Ereignisbewältigung und für Forschungszwecke zur Verfügung.