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Bundesamt für Bevölkerungsschutz, LABOR SPIEZ

Projekt SICHERHEITSLABOR VBS (SiLab)

Konzept, Aufgaben

Auf dem Gelände des LABOR SPIEZ soll ein bestehendes Laborgebäude zu einem Labor der Sicherheitsstufe 2 umgenutzt und mit einem Neubau ergänzt werden, der die Labors der Sicherheitsstufen 3 und 4 enthält. Diese Kombination von Labors der Sicherheitsstufen 2, 3 und 4 entspricht den infrastrukturellen Voraussetzungen für eine optimale Laboranalytik von speziellen Krankheitserregern.

Da es sich beim vorliegenden Projekt um ein bezüglich der sicherheitstechnischen Anforderungen äusserst komplexes und in der Schweiz bisher einzigartiges Bauvorhaben handelt, mussten umfangreiche Abklärungen in bestehenden Sicherheitslabors im Ausland, die über einschlägige Erfahrungen verfügen, durchgeführt werden. Nach zahlreichen Diskussionen mit internationalen Fachexperten auf den Gebieten des Laborbaus, der Biosicherheit sowie auch der Diagnostik und wissenschaftlichen Bearbeitung von Krankheitserregern der Risikogruppen 3 und 4 ist ein Laborkonzept entstanden, das den Bedürfnissen optimal entspricht und sämtliche gesetzliche Vorgaben erfüllt.

Bezüglich der Dimensionierung sind bewusst keine Luxusvarianten für spätere Tätigkeitsfelder eingeplant worden. Mögliche Optionen wie zum Beispiel der Bau von speziellen Tierräumen für allfällige Forschungsarbeiten mit Primaten sind nicht ins Konzept aufgenommen worden. Das ergibt zwar eine gewisse Einschränkung des künftigen Forschungsspektrums, dafür wird durch die Fokussierung auf klar definierte Kernbereiche von Anfang an ein hoher Auslastungsgrad der Infrastruktur angestrebt.

Die vier folgenden Kernbereiche bestimmen das Laborlayout:

  1. Diagnostik
    Aufbau und Unterhalt einer Primärdiagnostik für spezielle Krankheitserreger der Risikogruppen 3 und 4 (potentielle B-Kampfstoffe):
    Diese Dienstleistung soll routinemässig rund um die Uhr (24/7) zugunsten militärischer, aber auch ziviler Bedürfnisträger angeboten werden. Darin enthalten ist auch eine umfangreiche Differenzialdiagnostik. Zudem soll das Labor künftig auch nationale Referenzfunktion für spezielle Krankheitserreger übernehmen.

  2. Analytik von unbekannten (Umwelt-)Proben
    Triage zur Analyse von unbekannten Proben:
    Dies soll im Rahmen von Einsatzaufgaben zur Ereignisbewältigung stattfinden. Dazu gehört unter anderem die Fähigkeit zur Analyse von unbekannten Verdachtsproben. Die Erfahrung hat gezeigt, dass für diese Aufgabe zwingend die Kompetenz in den Bereichen A-, B- und C-Schutz vereinigt werden muss. Diese Voraussetzung ist am LABOR SPIEZ in einzigartiger Weise erfüllt: Im LABOR SPIEZ kann verdächtiges Probenmaterial in kurzer Zeit nach chemischen, biologischen und radioaktiven Substanzen analysiert werden.

  3. Ausbildung
    Ausbildung der militärischen B-Fachspezialisten in B-Kampfstoffanalytik:
    Pro Jahr werden während rund 9 Wochen ca. 6 Fachspezialisten das Labor der Sicherheitsstufe 3 belegen. Auf der Sicherheitsstufe 4 können Fachspezialisten, die aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit Vorkenntnisse haben, in einer speziell für das Training vorgesehenen Laboreinheit der Sicherheitsstufe 4, ausgebildet werden.

    Ausbildung und Training im Bereich Biosicherheit:
    Bedürfnisträger aus dem Bereich der Biosicherheit sollen praxisbezogen ausgebildet und trainiert werden. Die Ausbildung erfolgt sowohl im Labor der Sicherheitsstufe 3 als auch in der speziell dafür konzipierten Laboreinheit der Sicherheitsstufe 4. Das entsprechende Ausbildungs- und Kurskonzept wird in enger Zusammenarbeit mit nationalen Fachstellen und mit der WHO entwickelt.

  4. Forschung und Entwicklung
    Dieser Kernbereich ist einerseits für die Funktionstüchtigkeit, andererseits aber auch für den Auf- und Ausbau des Know-hows essentiell. Forschungs- und Entwicklungsarbeiten sollen grundsätzlich auf die Primärbedürfnisse der Diagnostik ausgerichtet sein. Dabei geht es in erster Linie um die Entwicklung von neuen Testmethoden sowohl für bekannte als auch für noch unbekannte Erreger. Weiter haben auch Arbeiten im Zusammenhang mit dem medizinischen B-Schutz grosse Bedeutung (z.B. Forschungsprojekte, die für die Entwicklung neuer Impfstoffe wichtig sind). Ein spezieller Aspekt wird die Risikoforschung darstellen. Es sollen Analysen zur Abschätzung der Risiken beim Umgang mit pathogenen Erregern durchgeführt werden.

Baukosten und personelle Auswirkungen

Die Investitionskosten für den Bau und die Einrichtung des Sicherheitslabors VBS gemäss dem ausgearbeiteten Projekt belaufen sich auf 28,5 Mio. Franken. Die Eidg. Räte werden Ende 2006 im Rahmen der Beschlussfassung über die Immobilienbotschaft VBS 2007 über die Bewilligung der für das Sicherheitslabor erforderlichen finanziellen Mittel zu entscheiden haben.

Für den Betrieb und den Unterhalt des künftigen Sicherheitslabors ist von einem zusätzlichen Personalbedarf von mindestens 6 Vollzeitstellen auszugehen. Davon sind 4 Stellen für den wissenschaftlichen Bereich und 2 Stellen für den technischen Bereich vorgesehen. Diese neu zu schaffenden Stellen werden voraussichtlich zu gegebener Zeit extern ausgeschrieben.