Toxinologie

Zum Begriff Toxinologie

Als Toxinologie wird ein interdisziplinäres naturwissenschaftliches Teilgebiet der Toxikologie bezeichnet, das sich mit natürlich vorkommenden Toxinen, deren Zusammensetzung und Wirkmechanismen befasst. Toxine sind von Tieren, Pilzen, Pflanzen oder Bakterien produzierte Substanzen, im Gegensatz zu Giften, die auch synthetisch hergestellt werden können.

Die Toxinologie umfasst mehr als nur die Chemie und Wirkungsweise eines Toxins. Dazu gehört ebenso die Biologie des toxinproduzierenden Organismus, die Struktur und Funktion des Giftapparates wie auch die Frage nach dem Zweck der Toxinproduktion und der Rolle eines Toxins im natürlichen Umfeld.

Zudem gewinnen Toxine stetig an Bedeutung durch ihren Einsatz in der Erforschung und Behandlung von akuten und chronischen Erkrankungen wie zum Beispiel Krebs, Epilepsie, Thrombosen sowie zur Behandlung von Schmerzen oder Bluthochdruck.

Toxinologie im Labor Spiez

Die Gruppe ist als Fachstelle zuständig für die Bearbeitung von Aufgaben im Zusammenhang mit Toxinen im Fachbereich Biologie.

Im Vordergrund stehen Projekte mit Substanzen aus dem Bereich des Chemiewaffen­übereinkommens (CWÜ), denn auf der Liste 1 befinden sich neben den klassischen militärischen C-Kampfstoffen auch das proteinbasierende Pflanzentoxin Ricin und das niedermolekulare Muschelgift Saxitoxin (STX).

Das Gesamtspektrum definiert eine NATO-Liste mit über 200 Toxinen aller Art. Wir beschränken uns zur Zeit auf Vertreter des sogenannten "Dirty Dozen" der B-Kampfstoffe: Botulinumneurotoxin und Staphylokokkus Enterotoxin B, als Ergänzung zu Ricin und Saxitoxin.

Neben militärischen Fragestellungen geht es aber auch immer mehr um zivile Projekte im Rahmen des Bevölkerungsschutzes. Viele Toxine sind Verursacher von schweren Lebensmittelvergiftungen und könnten im Extremfall bei Terroranschlägen gegen die Zivilbevölkerung eingesetzt werden. So werden bei schweren Vergiftungsfällen Lebensmittelproben auf Toxine untersucht, um Ärzte und Behörden bei der Fallbewältigung zu unterstützen. Ein wichtiges Projekt ist die Entwicklung und Etablierung eines alternativen Nachweisverfahrens für Botulinumneurotoxine (Ersatz des in vivo Maus Bioassay).

Allgemeine Aufgabenstellungen:

  • Ausbau und Erhalt des Fachwissens
  • Entwicklung und Etablierung von Labor-Nachweismethoden
  • Evaluation und Erprobung von kommerziellen Nachweissystemen
  • Beratung nationaler Instanzen im Krisenfall
  • Ausbildung von Fachspezialisten des ABC-Abwehrlabors der Armee
  • Mitarbeit bei der internen Lehrlingsausbildung (Chemielaboranten)
  • Betrieb einer akkreditierten Prüfstelle (STS 054)
  • Aufbau einer Referenzfunktion für Toxine

Leitung:

Marc Avondet

Mitarbeitende:

Christian Müller


Informationen


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Aktuelles

Meldeprozesse bei klinischem Verdacht von Botulismus (Bulletin 27/14, BAG) (PDF, 129KB)

 

European programme for the establishment of validated procedures for the detection and identification of biological toxins (EuroBioTox)

 

Erweitung der Analytik für Staphylokokken Enterotoxine (Serotypen C/D/E/G/H/I) Etablierung von Nachweisverfahren für Aconitin und Amanitin